Quelle: Ems-Zeitung/NOZ
Autor: Mirco Moormann


So funktioniert Repowering: Drei Windkraftanlagen werden gegen zwei neue ausgetauscht

ESTERWEGEN, 8. April. In Esterwegen steht derzeit in sogenanntes Repowering an. Dabei werden drei alte Windkraftanlagen östlich der Heidbrücker Straße gegen zwei neue ausgetauscht. Die Leistung des Parks wird dennoch stark erhöht. Wie das zuständige Unternehmen
Energiequelle GmbH mit Sitz in Kallinchen bei Berlin mitteilt, wird so mit weniger Anlagen auf gleicher Fläche deutlich mehr Strom erzeugt. Abgebaut worden sind in den vergangenen Wochen drei im Jahr 2002 fertiggestellte Anlagen des Typs Enercon E-58 mit einer Nabenhöhe von 70 Metern und einer Generatorleistung von jeweils einem Megawatt (MW). Errichtet werden dafür zwei neu entwickelte Enercon- E-138-Anlagen mit einer Nabenhöhe von 160 Metern und einer Leistung von je 4,2 MW, wie Projektentwicklerin Stefanie Harms im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt. Der Rotordurchmesser beträgt 140 Meter, bei der E-58 waren es 58 Meter. Die Leistung des Parks wird damit von drei auf 8,4 MW erhöht. Pro Jahr versorge der Park zukünftig etwa 5500 Haushalte, zudem werden etwa 16 500 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Harms erklärt auch den Rückbau in den einzelnen Schritten.

Wie läuft der Rückbau technisch ab?
Der Rückbau der Anlagen erfolgt im Prinzip in umgekehrter Reihenfolge zum Aufbau: Nach dem Lösen der Schraubverbindungen werden Schritt für Schritt die einzelnen Großkomponenten mithilfe eines Krans demontiert. Begonnen wird mit dem „Stern“, also den Rotorblättern, die an der Nabe befestigt sind. Anschließend folgen Generator, Gondel und Turmsegmente. Die Rotorblätter und Turmsegmente werden an der Baustelle unter besonderen Schutzmaßnahmen in Einzelteile zersägt und zur weiteren Verwertung abtransportiert. Als Letztes werden die Fundamente in der Regel durch einen Hydraulikmeißel zerkleinert und der im Fundament enthaltende Stahl und der Beton dem Recycling zugeführt. Der Abbau des Turms dauert etwa zwei Tage, für das Entfernen des
Fundaments werden noch einmal etwa zwei Wochen benötigt.

Was passiert mit der alten Anlage?
Im Windpark Esterwegen werden die Altanlagen vom Hersteller Enercon zurückgenommen. Die Materialien sind im Allgemeinen gut weiter zu verwenden, zu verwerten oder zu recyceln. Im Falle des Esterwegen-Repowerings handelt es sich bei den abzubauenden Anlagen um Stahlrohrtürme. Diese sind aktuell die am weitesten verbreitete Tragstruktur. Je nach Anlagentyp und Zustand werden Komponenten von Enercon wiederaufbereitet und nach anschließender eingehender Qualitätsprüfung als Ersatzteile eingelagert. Der Beton wird zu 100 Prozent recycelt, er wird wiederverwertet als Schotter für den Wegebau und die Herstellung der Kranstellflächen. Der Stahl wird  eingeschmolzen und zu neuen Bestandteilen geformt. Die Rotorblätter sind in der Regel aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) hergestellt. Dieses Material landet in Müllverbrennungsanlagen oder wird als Sekundärrohstoff in der Zementherstellung benutzt.
Die elektronischen Bestandteile können auf einem Secondhandmarkt verkauft werden, auch die in der Elektronik vorhandenen
Kunststoffe und Metalle wie Gold und Platin, Kupfer und Aluminium. Die zurzeit gängigen Entsorgungsverfahren im Bereich GFK sind seit vielen Jahren etabliert, weisen allerdings unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten noch Optimierungspotenzial auf. Die Windbranche ist gefordert, zusammen mit Forschungseinrichtungen und industriellen Partnern neue Lösungen zu entwickeln, die den Ansprüchen gängiger
Nachhaltigkeitsstandards genügen.

Wie lange dauert es, eine neue Anlage zu errichten?
Bis zur Errichtung der neuen Anlage werden noch etwa drei Monate vergehen. In dieser Zeit müssen die neuen Fundamente und Betontürme errichtet werden. Mit den beiden Fundamenten ist in Esterwegen bereits begonnen worden. Pro Fundament werden etwa 720 Kubikmeter Beton und knapp 100 Tonnen Stahl verbaut. Die Betonkörper haben einen Durchmesser von 22,5 Metern. Für das Unternehmen
Energiequelle ist es ein lang ersehntes Projekt, weil der Bau bereits 2019 erfolgen sollte. Durch eine notwendige Umgenehmigung hatte
sich der Baustart jedoch um ein Jahr verschoben. Aufgrund der Arbeiten wird es im Bereich der Baustelle zu Wegesperrungen kommen.
Sowohl der landwirtschaftliche Verkehr als auch Radfahrer müssen die Baustelle umfahren.

© Mirco Moormann/Enercon